Hainbundschule Göttingen

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Umweltkonzept


"Die Sorge um die Flüsse ist keine Frage der Flüsse,
sondern des menschlichen Herzens." -Tanaka Shozo-

Täglich überschlagen sich die Nachrichten von Umweltkatastrophen und Umweltschadensberichten. Unübersehbar weisen sie darauf hin, dass die Grenzen der Belastbarkeit des Ökosystems Erde erreicht sind. Verursacher dieser gravierenden Umweltschädigungen sind die Menschen – vor allem diejenigen in den Industriegesellschaften. Durch einen verengten Naturbezug, dem die Vorstellung von einer beherrschbaren und beliebig ausbeutbaren Natur zu Grunde liegt, wird die Umweltzerstörung vorangetrieben und zugleich versucht, den Schädigungen auf dem gleichen technisch-wissenschaftlichen Weg zu begegnen, der zu dieser Schädigung geführt hat. Gerade in den letzten Jahrzehnten hat sich jedoch gezeigt, dass der fortschreitenden Umweltzerstörung nicht allein mit technischen Lösungen Einhalt zu gebieten ist.

Es ist deutlich geworden, dass ökologische, soziale, politische und ökonomische Entwicklungen im Zusammenhang gesehen werden müssen, wenn die Gesellschaft auf Dauer existenzfähig bleiben soll. (vgl. Breidenbach, 1996, 16)

Neben politischen und wirtschaftlichen Reformen wird es notwendig sein, in der Gesellschaft bei möglichst vielen Menschen ein Bewusstsein zu entwickeln, dass den verantwortungsvollen Umgang mit unserer Mitwelt fördert. Auf Dauer wird verantwortungsvolles Handeln jedoch nur angebahnt werden können, wenn eine Motivation für dieses Engagement gegeben ist.

Eine Grundvoraussetzung für das Engagement ist der positive persönliche Bezug zur Natur. Durch die zunehmende Entfremdung des Menschen von der Natur und die Zunahme der Sekundärerfahrungen, z.B. durch die Medien, ist der persönliche Bezug oft nur schwach ausgeprägt, so dass zunächst einmal Naturerfahrungen ermöglicht werden müssen. Nach Gebhard fördern diese über den Einsatz zum Erhalt der Natur hinaus auch die seelische Entwicklung des Menschen (vgl. Gebhard 1994, 73). Gerade für die Entwicklung des Kindes sind sie daher sehr wertvoll, denn neben der Entwicklung kognitiver Fähigkeiten beeinflussen sie auch die soziale Entwicklung des Kindes.

Aus empirischen Studien geht hervor, dass „[...] Naturerfahrungen in der Kindheit als der wesentliche Bedingungsfaktor für die Genese umweltbewusster Einstellungen und v.a. Handlungsbereitschaften anzusehen sind." (ebd.).

Da diese Naturerfahrungen durch die Reduktion von sinnlich-unmittelbaren Erfahrungsmöglichkeiten und dem damit verbundenen Überwiegen der Sekundärerfahrungen in der heutigen Kindheit nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden können (vgl. Gudjons, 1995, S. 115), sollte es Aufgabe sowohl von Schule als auch von außerschulischen Umweltbildungseinrichtungen sein, neben des Erwerbs von Umweltwissen vor allem diese wichtigen Naturerfahrungen zu ermöglichen.

Die Hainbundschule möchte ihren Schülern und Schülerinnen über die curricular vorgegebenen Bildungsziele hinaus eben diese wichtige Naturerfahrung möglich machen.

Ein Leitspruch liegt dem Umweltkonzept der Hainbundschule besonders am Herzen:

„Ich schütze nur, was ich liebe.
Ich liebe nur, was ich kenne.
Ich kenne nur, was ich wahrnehme.
Ich nehme nur wahr, was für mich eine Bedeutung hat." - Knauer und Brandt 1995-

Da es aus stundentechnischen Gründen nicht mehr möglich ist, ein schulumfassendes, kontinuierliches Umweltpädagogikprogramm, wie den lange an unserer Schule stattfindenden „Waldtag" , aufrecht zu erhalten, haben wir uns den nun bestehenden Möglichkeiten angepasst und folgendes verbindliches Umweltprogramm für unsere Schule entwickelt:

Zunächst einmal wollen wir Lehrerinnen natürlich darauf achten, ein umweltbewusstes und -liebendes Vorbild für die Schülerinnen und Schüler unserer Schule zu sein.
Im regulären Unterricht werden selbstverständlich die curricularen Vorgaben im Hinblick auf die Ausbildung eines Umweltbewusstsein und der Partizipation an Fragen des gesellschaftlichen Lebens umgesetzt.

Einige Klasse bewirtschaften den schuleigenen Garten – säen, pflanzen, pflegen, ernten und verarbeiten Gemüse- und Obstpflanzen.

Auch die Beete auf dem Schulhof werden von den Schülern und Schülerinnen mitgestaltet und gepflegt.

Einige Klassen besuchen darüber hinaus regelmäßig umweltpädagogische Bildungseinrichtungen oder Stätten wie den Ziegenhof Landolfshausen, die Heinz-Sielmann-Stiftung bei Duderstadt, das RUZ in Reinhausen, das Kompostwerk, den Botanischen Garten, den an das Wohnviertel angrenzenden Wald, die Wiese hinter der Schule, den Weendebach...

Zudem trennen die Schüler und Schülerinnen ihren Müll. Darüber hinaus findet alljährlich rund um die Schule eine große Müllsammelaktion statt und auch der Pausenhof wird von den Schülern und Schülerinnen selbst von Müll befreit. Müll wollen wir, so gut wie es geht, vermeiden.

Im Lehrerinnenzimmer steht für alle Lehrerinnen ein fertig ausgearbeitetes Spiralcurriculum zum Thema Umweltbildung und Naturerfahrung inklusive didaktischer Ausarbeitung der vorgestellten, vielfältigen Umwelterlebnis- und -erfahrungstage zur Verfügung, das von Frau Baie im Rahmen der stattgefundenen „Waldtage" entwickelt wurde und das nun für die Arbeit in den Klassen genutzt werden kann. Zudem findet sich im Lehrerinnenzimmer auch Fachliteratur zum Thema.

Auch in der hauseigenen Lernwerkstätten (ehemals LoLa) und dem Sachunterrichtsmaterialraum finden sich vielfältige Materialien und Anregungen für den Unterricht.

Die regelmäßige Einbeziehung außerschulischer Umweltbildungseinrichtungen und Kooperationspartner wie dem RUZ sind angedacht. Die Finanzierbarkeit einer derartigen Zusammenarbeit muss noch geprüft werden.

In diesem Sinne:

„Tritt heraus in das Licht der Dinge.
Lass die Natur dein Lehrer sein." - William Wordsworth -